Echnatos - Gewinner des Geschichtswettbewerbs!
Die düsteren Tagebucheinträge von Draxios haben Echnatos den Sieg im Geschichtswettbewerb gebracht und ihr könnt hier die blutige Geschichte einer ausweglosen Schlacht nachlesen!
Die Geschichte von Echnatos wird natürlich auch im nächsten CROMCAST in der Kategorie des Erzählers vorgelesen.
Auszug aus den Tagebüchern des Draxios, Sohn des Drucio
Eintrag 173
Ich stehe vor meinen Männern. Sie erwarten meine Befehle. Dann...ein dunkler, schleimiger Sumpf erfasst mich und zieht mich in die Tiefe. Ich sehe wie Menschen sterben, wieder und wieder...dann wache ich auf.
Das war heute Morgen. Nun ist später Abend, und noch immer sehe ich die Unsicherheit in den Augen meiner Männer. Sie warten auf meinen Befehl das Lager abzuschlagen und los zu marschieren. Ich weiß, was immer ich auch befehle, sie alle werden mir folgen, bis in den Tod und wenn es sein muss, über diesen hinaus.
Ich werde nun diese Buch weg legen und in die Mitte meiner Truppe treten. Mein Wort muss ihre Herzen treffen und sie damit unverwundbar machen, für all die Furcht die kommen wird. Sie zählen auf mich...ich stehe nun auf...Meine Stimme wird ihr Gemurmel durchschneiden wie ein Donnerschlag...
“Männer! Freunde! Hört her! Wir erhielten Befehl unsere Stellung aufzugeben. Wir erhielten Befehl all die Menschen dem Tod zu übergeben. Wir erhielten verdammt noch mal den Befehl, Kinder und Frauen wie Tiere sterben zu lassen! Doch zu lange habe ich in diese Finsternis geblickt. Nun endlich haben wir die Chance, diese Finsternis zu erhellen. Was sagt ihr? Wo steht ihr, wenn ihr in euer Innerstes blickt? An meiner Seite? Oder über den Leichen der Kinder und Frauen in diesem Tal? Wo steht ihr?
Wir alle verloren schon Freunde oder gar Familie im Krieg. Der Krieg lässt unsere Herzen schwarz werden. Ich sehe es immerzu, wenn ich in eure Gesichter blicke. Doch ich werde nicht zulassen, dass der Krieg dieses Tal überwindet und die Herzen der Menschen weiter verfinstert. Das kleinste Licht erscheint umso heller, je größer die Finsternis um es herum ist.
Ein Schwert kann neu geschmiedet werden. Ein geborsten Schild erneuert. Ein Haus neu gebaut. Doch das Leben, das einem Kind genommen wird, kann man nicht einfach erneuern. Die Trauer im Herzen der Menschen über unschuldig Gefallene wird niemals ganz verschwinden. Darum sage ich, wir werden nicht weichen. Hier wird der Feind auf uns prallen, wie Wasser auf massiven Fels. In der Finsternis dieses Tals werden wir sie zurück schmettern, zurück in die Tiefen des Nordens. Sie mögen viele sein, doch sie sind getrieben von Gier. Lasst uns den letzten Rest Licht in unseren Herzen gegen sie verwenden, auf das sie geblendet seien von unserer Entschlossenheit.
Wo steht ihr? Krieger Aquiloniens!
Ich stehe...genau hier!“
Ich ramme mein Breitschwert in den Holzstumpf vor mir und reiße mein Schild in die Höhe. Noch einen Augenblick kann ich die Furcht in den Augen der Männer sehen, ehe meine Worte sie aufrütteln. Nur Valesius zögert nicht einen Liedschlag und hebt seine Axt mit beiden Händen gen Himmel, tief brüllend. Die anderen tun es ihm gleich. Sie stehen bei mir. Wir bleiben.
Eintrag 174
Ich schicke einen Boten aus. Der Schnee hindert uns an der Rückreise und die Verstärkung soll sich auf den Weg zu uns machen. Nicht sehr überzeugend, aber sollte funktionieren.
Inzwischen regnet es eiskalten Regen. Der Schnee vermischt sich mit der matschigen Erde zu einem tiefen, glitschigen Schlamm.
Wir haben einige kleinere Palisaden errichtet um das Schlachtfeld kleiner zu machen und so unsere geringe Mannstärke etwas wett zu machen.
Ich habe meine Männer angelogen. Selbst wenn Fabios Berichte vollkommen übertrieben wären, was eher unwahrscheinlich ist, so können wir sie nicht aufhalten. Doch ich werde nicht weichen. Die Sonne geht langsam unter. Heute Nacht werden wir Krieger.
Nachtrag: Sie kommen. Wir können die Schreie hören. Ich bilde mir ein, der Boden erzittere. Es regnet noch immer. Ich lege dieses Buch nun hier nieder, auf das seine Seiten die Schlacht überdauern mögen und alles aufzeichnen.
Eintrag 175
Noch nie habe ich solche Schmerzen gefühlt. Nicht nur meine Wunden, nein, auch mein Herz. Ich glaube, es ist erstarrt. Der Heiler versucht noch immer die Blutung zu stoppen, ich sehe ihn nur verschwommen an meinem Bein werkeln, während die Kutsche langsam und holprig ihren Weg sucht. Heute Nacht wurden all meine Kameraden zu Kriegern. Ich nicht.
Eintrag 176
Ich weiß nicht, wie viele Tage schon vergangen sind seit der Schlacht. Doch die Bilder verschwinden nicht aus meinem Kopf. Selbst der quälende Schmerz meines Beins, das ich mir am liebsten abhacken würde, vermag mich nicht abzulenken. Ich sehe es alles vor mir.
Wir stehen ein Stück hinter unseren Palisaden in engen Reihen, der Regen prasselt auf unsere Rüstungen und lässt ein willkürliches Lied erklingen. Wir starren auf den Abhang welcher in das Tal hinein führt, der Mond taucht den Bergkamm in ein gleißendes Licht.
Schließlich kommen sie. Ein Meer aus Barbaren. Teils in Lumpen gehüllt oder einfache Rüstungen, teils in schwere Kriegspanzer. Und bewaffnet mit allem was als Waffe dienen kann. Vom edlen Schwert, wohl geklaut, hin bis zum rostigen Brotmesser. Immer mehr treten in unser Blickfeld. Schließlich kommt ein einzelner, mit vielen Ketten geschmückter, Vanir aus der Menge hervor uns scheint uns aus der Ferne zu mustern. Er schickt in tiefes Grunzen zu uns herunter. Entschlossen lege ich eine Hand auf Fabions Schulter. Seelenruhig spannt er seinen Bogen. Wir beantworten das Grunzen mit einem Pfeil in seiner Brust, der ihn nach vorne in den knöcheltiefen Matsch kippen lässt.
Ich wende mich zu meinen Männern um und sehe in Gesichter, wie sie mutiger und entschlossener kaum sein könnten.
„Zeigen wir ihnen, warum wir hier sind!“
brülle ich mit voller Stimme und wie ein Donnergrollen bringen die Kriegsschreie meiner Männer das ganze Tal zum Erzittern. Selbst über diese Ferne kann ich die Verunsicherung in den Gesichtern der Vanir sehen, ehe sie wieder zu schreien beginnen und, nun wahrlich den Boden zum Beben bringend, den Abhang hinunter stürmend, auf die Engstelle unsere Palisadenmauer zu rennen.
Wir warten ab. Ruhig und bereit zu töten, wie nie zuvor. Als die erste Reihe der Vanir genau zwischen unseren Palisaden steht, öffnen wir unsere Reihen etwas und für einen Moment verdeckt mir die Unmenge an Bolzen die Sicht auf den Ansturm. Ich nutze den Augenblick, wende mich.
„Kämpft! Kämpft wie nie zu vor! In die Finsternis und den Tod! Vorwärts!“.
Wir stürmen auf die Engstelle unserer Verteidigungsanlage zu. Das Entsetzen steht den Vanir, welche gerade über ihre niedergeschossenen Brüder klettern, ins Gesicht geschrieben, bevor unser Stahl ihre Körper niederstreckt. Mein Schwert fliegt nur so durch die Luft, während mein Schild Köpfe zertrümmert. Kein Grund mehr sich zu verteidigen. Dicht neben mir steht Valesius. Seine Axt lässt Körperteile durch die Luft fliegen. Abseits sehe ich Fabion. Seine Hand legt so schnell Pfeile nach, ich vermag sie nicht mehr zu sehen. Levara steht nur da, als unzählige Vanir auf sie stürmen. Sie hat nicht einmal ihre Waffe gezogen, als sie die Arme nach außen reißt, einen Moment bewegen sich ihre Lippen. Die anstürmenden Männer werden von den Beinen gerissen und segeln in den Schlamm, als hätte ein heftiger Faustschlag jeden von ihnen getroffen. Noch bevor sie aufstehen können, trifft aquilonischer Stahl auf Vanirfleisch.
Ich wende mich um und mein Herz bleibt einen Moment stehen, als ich noch sehe, wie ein Vanir seinen Pfeil auf mich entlässt. Doch eine kurze Klinge saust vor mir in die Luft und durchtrennt den Pfeil in der Mitte, die beiden Bruchstücke sausen an mir vorbei. Schwer schnaufend steht Gaetius neben mir, das Gesicht voll Schlamm und Blut. Er nickt nur knapp, wendet sich wieder dem Getümmel zu und seine Kurzschwerter arbeiten sich durch den nicht endenden Ansturm.
Inzwischen stehen wir vor unsere Palisaden, drängen sie zurück. Mit einem schmatzenden Laut ziehe ich meine Klinge aus einem toten Barbaren und erneut sehe ich mich um. Der Schnee-Matsch ist rot gefärbt durch die unzähligen Toten. Erst nun sehe ich, dass zwischen den unzähligen Vanirleichen auch einige meiner Männer liegen. Zu viele.
„Formiert euch!“ schreie ich, während sich die Vanir etwas zurückziehen.
Viele der Männer waren verwundet und schleppten sich mit Mühe und Not wieder zurück. Ich wische mir den Matsch aus dem Gesicht und versuche zu erkenne, was vor sich geht. Die Vanir sammeln sich wieder weiter oben am Hang, als ein besonders großer ein Horn zieht und tief hinein bläst.
Ich traue meinen Augen kaum. Der Mond scheint sich zu verdunkeln, als ein Pfeilhagel auf uns niedergeht. Wir schützen uns unter unseren Schilden, nur Valesius hält sich lediglich seine Axt vor seinen Kopf. Als ein Pfeil seine Rüstung durchdringt und sich ein Stück in seine Schulter bohrt, reißt er mit der anderen Hand die Axt nach oben.
„War das schon alles?“ schreit er.
Valesius, törichter Narr. Mein Freund.Noch ehe wir uns wieder aufgerichtet haben, offenbart sich uns das gesamte Ausmaß unseres Feindes. Ich sehe keinen Abhang mehr. Nur noch Vanir, die diesen hinunter stürmen. Ich spüre, dass die Männer in meinem Rücken drohen zu fliehen. Meine Stimme ist laut und ohne Zittern.
„Krieger...ich stehe noch immer hier! Weicht nicht zurück...Kämpft!“
Ich renne los. Ich weiß, dass sie mir folgen werden. Sie folgen mir in das Ende.
Ein heilloses Gemetzel. Lebe ich noch oder kämpfe ich nur noch? Mein Schwert streckt sie nieder, immer und immer wieder. Doch es nimmt kein Ende. Eine Axt dringt in meinen Oberschenkel ein, tief. Ich schreie und sinke nieder, stemme mich wieder hoch, töte noch mehr dieser Bestien.
„Valesius!“ brülle ich.
„Hier!“ höre ich nur knapp, doch ich sehe ihn längst.
Es war kein Gesuch, es war eine Warnung. Valesius steht auf einem Haufen Leichen, als die Lanze des Vanirs in seinen Rücken eindringt und ich sehe, wie auch seine Brustrüstung dem Durchstoß nachgibt. Seine Augen werden einen Moment riesig, ich sehe noch wie er die Hände an die Lanze legen will, ehe sein Körper erschlafft.
„Valesius! Nein!“ brülle ich und will zu ihm, doch meine Beine versagen.
Ich ziehe meine Armbrust, doch kraftlos fällt sie in den Schlamm, ich ebenso.
Ich sehe in die Gesichter der Toten. Sie scheinen zu schlafen. Ich sehe die leblosen Körper meiner Offiziere. Gaetius, Fabion, Levara...Valesius. Krieger. Meine Freunde. Meine Sicht verschwimmt, aus der Tiefe des Tals sehe ich Menschen hervor kommen, höre Pferdegetrampel. Zu spät. Ich verliere die Besinnung.
Und nun liege ich hier auf dieser Liege, das Bein behelfsmäßig verbunden. Sie sagen, es sei ein Wunder das ich überlebt habe. Ich denke, es ist eine Strafe.Die Verstärkung kam zu spät um uns zu retten. Doch die Dörfer sind sicher. Wo ist die Schönheit, Vater, die du mir versprachst? Ich habe sie alle in den Tod geschickt. Wo ist Ehre, Ruhm und Heldentum jetzt? Es liegt im Schlamm am Ende dieses Tals.
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